Wilde Gorillas durchleb(t)en selbst im hohen Alter immer wieder das Trauma ihrer Gefangenschaft

In einem Nachruf von Max Polonyi im Spiegel (Ausgabe Juli 2020) bestätigen Tierpfleger eine Befürchtung meinerseits. Gorillas, die in Afrika ihrer "wilden Familie" entrissen wurden durchlebten in den Zoos immer wieder das Trauma ihrer Gefangenschaft. 

MASSA / Foto: Heike Arranz Rodriguez
MASSA / Foto: Heike Arranz Rodriguez

MASSA tobte, wenn er Menschen mit dunkler Hautfarbe sah, Hutträger oder geschminkte Kinder. Er drosch dann mit seinen Händen gegen die Wände des Geheges, er riss sich Haare aus, biss sich in die Arme. Die Pfleger stellten vor dem Affentropenhaus ein Schild auf: Maskierte und Geschminkte sollten bitte draußen bleiben. An Rosenmontagen blieb das Haus manchmal geschlossen.

Die Pfleger sind sicher, Massas Abneigung gehe zurück auf den Tag, an dem er gefangen wurde. Die Männer, die Massas Familie töteten, waren wahrscheinlich schwarz. Möglich, dass sie Kriegsbemalung und Kopfbedeckungen trugen. (Text aus dem Nachruf von Max Polonyi) 

FRITZ / Foto: Heike Arranz Rodriguez
FRITZ / Foto: Heike Arranz Rodriguez

FRITZ (verstarb 2018 im Nürnberger Tiergarten) bekam zum Jahreswechsel Beruhigungsmittel in den Tee gemischt. Er verzog sich ins Innere des Nürnberger Affenhauses aus Angst. Wahrscheinlich hatte man seine "wilde Familie" mit Feuerwerkskörpern aufgeschreckt. Im hohen Alter rastete der sonst so sanfte FRITZ völlig aus, wenn zum Beispiel ein bestimmter Bauarbeiter das Affenhaus betrat. Auch so manchen männlichen Tierpfleger akzeptierte er nicht.